Zahlreiche Gäste verfolgten gespannt die Fights Open-Air auf dem Hannah-Arendt-Platz vor dem niedersächsischen Landtag in Hannover Foto: Andreas Bormann

Verbaler Schlagabtausch im Boxring

Zweiter #fightCLUB! des BDA Niedersachsen und BFW Niedersachsen in Hannover

Kein Körperkontakt, aber dafür umso schlagkräftigere Argumente: Vertreterinnen und Vertreter der Immobilienwirtschaft und Architektur standen sich im September zum zweiten Mal im Boxring gegenüber und das gleich vor dem niedersächsischen Landtag in Hannover. In vier zehnminütigen Fights ging es um aktuelle Branchenherausforderungen wie „Stadt vs. Land“, „analog vs. digital“ „EFH vs. Verdichtung“ und „Holz vs. Beton“. Im Mittelpunkt des #fightCLUB! stand jedoch nicht der Streit, sondern vor allem der Dialog zwischen den beiden Disziplinen, um gemeinsame Lösungen für Themen der Branche zu finden.

Bereits zu Beginn der Veranstaltung zeigten die Gastgeber, dass Immobilienwirtschaft und Architektur aufeinander angewiesen sind. „Architektur und Immobilienwirtschaft stehen vor denselben Herausforderungen. Klimawandel, zunehmende Vorschriften und Regulierungen sind nur einige der Themen, mit denen wir uns beschäftigen müssen. Es ist wichtig, dass wir gemeinsam im Gespräch bleiben und voneinander profitieren“, betonte Dirk Streicher, Vorsitzender des BFW Niedersachsen/Bremen e.V. Der Landesvorsitzende des BDA Niedersachsen, Matthias Rüger, stimmte zu: „Auch wenn wir in Teilen verschiedene Interessen verfolgen, brauchen wir einander, um die Herausforderungen der Zeit zu lösen. Im Fokus der derzeitigen Diskussionen und somit auch des diesjährigen #fightClubs! steht vor allem der Klimawandel. Wir, die Bau- und Planungsbranche, dürfen uns nicht zurücknehmen, sondern müssen vereint eine klimagerechte Transformation des Bauens erwirken. Gemeinsam schaffen wir das!“

Jeder Fight ein reger Schlagabtausch

Trotz leichtem Nieselregen und teils stürmischen Böen wurde in allen Fights engagiert diskutiert. Gleich zu Beginn gab es einen schlagkräftigen Argumentaustausch zum Thema „Lehm und Holz versus Beton und Stahl“. Dr. Christine Lemaitre, geschäftsführende Vorständin der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen, machte ihrem Unmut über die Betonlobby Luft und betonte, dass die Bemühungen der Industrie, vor allem auch im Bereich der Baustoffforschung, zu wünschen übrigließen. Ihrem Kontarhenten Gerhard Greiner, dem Landesvorsitzenden des BDA in Hessen, lag dagegen vor allem das langfristige und dauerhafte Bauen am Herzen, wofür man nach seinem Dafürhalten vor allem Beton und Stahl bauen müsse. Beiden war am Ende klar, dass es zukunftsfähige Lösungen für den nachhaltigen und umweltfreundlichen Einsatz verschiedener Baustoffe bedarf und es nicht darum gehen kann, welche Baustoffart die beste und einzige Lösung ist.

Das folgende Bremer Duell zum Thema „Verdichtung versus Traumhaus“ sorgte für viel Stimmung im Publikum. „Die Entwicklungen lassen nicht mehr zu, dass all unsere Bedürfnisse erfüllt werden. Auf kurz oder lang müssen wir lernen uns einzuschränken“, stellte Benjamin Wirth, Gründer von wirth Architekten, heraus. Dies sah sein Rivale, Olaf Mosel von M Projekt anders: „Ich finde, dass jeder so wohnen sollte wie er möchte. Man kann den Menschen nicht vorschreiben, wie sie zu leben haben“.

Lieber in der Stadt oder auf dem Land wohnen? Die Frage nach persönlichem Lebensstil spielte auch im nächsten Fight eine zentrale Rolle: Prof. Ulrike Mansfeld zeigte neben ihrer Vorliebe fürs Land auch dessen zentrale Bedeutung für die Städte auf. „Das Land bietet uns Naherholung, Nahrung, technische Innovationen und Arbeitsplätze. Wenn aber niemand mehr auf dem Land lebt und arbeitet, kommt es zu einem technischen K.O., worunter letztlich auch die Stadt und der Klimawandel leiden“, so die Dekanin der Fakultät Architektur, Bau und Umwelt an der Uni Bremen. „Wir müssen Leben und Arbeiten zusammenbringen. Das funktioniert in der Stadt besser. Dennoch müssen wir auch in unseren Städten einige Herausforderungen meistern, damit die Verdichtung nicht zu Lasten der Lebensqualität in den Städten geht“, betonte ihr Mitstreiter Manfred Hofmann vom Wohnungsunternehmen meravis: Symbiose anstatt Rivalität!

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam der Fight „Analog versus Digital“. Eva Ibrügger von der Delta Energie GmbH, die im Lager „digital“ antrat, legte den Fokus auf die neuen Möglichkeiten, die sich durch digitale Räume für unsere Flexibilität und Beweglichkeit ergeben. Auch wenn Stefan Giesler vom Büro Giesler Architekten seiner Mitstreiterin in vielen Punkten zustimmte, betonte er den Bedarf von analogen Orten des Zusammentreffens, die auch die Städteattraktivität steigern könnten. „Die Menschen wollen sich in Präsenz treffen und Begegnungen erleben, die es nur analog gibt. Wir müssen ihnen diese Räume bieten und somit neue Konzepte verwirklichen, die die Menschen wieder in die Städte ziehen“, fordert der Stadtplaner und Architekt aus Braunschweig.

Schwarz-Weiß-Denken greift zu kurz

„Der Fightclub ist eine gute Möglichkeit, um in anderer Form über die Zukunftsfragen der Branche zu diskutieren. Die bauende und planende Zunft müssen gemeinsam Antworten finden und dafür in den Dialog treten. Wie in allen Fights deutlich wurde, braucht es den Austausch über diverse Themen“, so Uwe Bodemann, ehemaliger Stadtbaurat der Stadt Hannover, der die Fights als Ringrichter kommentierte. Auch Moderator Hartwig von Saß, Projekteiter der neuen Immobilienmesse Real Estate Arena – der in einer unnachahmlich lockeren und motivierenden Art durch den Abend und die Unbillen des wechselhaften Wetters führte, bekräftigte: „Das war ein Abend, der deutlich zeigt, dass ein Schwarz-Weiß-Denken an vielen Stellen einfach zu kurz greift.“

 

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