Foto: Andreas Bormann

Stadt der Zukunft – Diskussionsabend in Braunschweig

Nach drei umfangreichen Workshops zu Szenarien künftiger Urbanität sowohl in Braunschweig als auch, entlang des Mittellandkanals, in der Region bis Wolfsburg, lud der BDA Braunschweig zu einem Diskussionsabend zur Stadt der Zukunft, ihren Entwicklungspotenzialen und Mobilitätskonzepten.

Schnell hatte sich der Blick der Organisatoren nach Wolfsburg gerichtet, denn diese junge Stadt, die am 1. Juli ihr gerade mal 80-jähriges Gründungsjubiläum begehen konnte, sieht sich mit vielfältigen Transformations- und Wachstumsanforderungen konfrontiert. Zum einen ist es der unterentwickelte urbane Charakter der auf immerhin über 125.000 Einwohner angewachsenen kreisfreien Stadt. Zum anderen sind es rund 75.000 täglich zur Arbeit „im Werk“ einpendelnde Menschen. In dieser Situation erkannte Wolfsburgs vormalige Stadtbaurätin Monika Thomas eine große Herausforderung. 2013 äußerte sie im Interview mit der „Bauwelt“ als „hehres Ziel“, bis 2020 immerhin 7.000 neue Einwohner an den Ort zu binden. Eine kontinuierlich fortgeschriebene „Wohnbauoffensive“ beziffert die Ambitionen mittlerweile auf 6.000 bis zum Jahr 2020 zu errichtende Wohneinheiten.

Flaggschiffe dieses Bemühens sind die neuen Quartiere „Hellwinkel Terrassen“ – hier entstehen gerade auf knapp 14 Hektar Fläche rund 750 Wohnungen – und „Steimker Gärten“ mit etwa 1.250 Wohnungen auf 22 Hektar. Der BDA Braunschweig fragte nach: Wie soll das Neubaugebiet „Steimker Gärten“ einmal aussehen, sein Städtebau und seine Architekturen? Wie geht es weiter, in einer Stadt, die sich ein junges, innovatives Image auf die Fahnen schreibt? Hierzu referierten Phillip Schmitz, VW Immobilien GmbH, die in den „Steimker Gärten“ 260 Wohnungen für den Eigenbestand erbauen lassen will, und Uwe Brederlau, Professor an der TU Braunschweig. Er ist Verfasser des städtebaulichen Masterplanes zum Quartier sowie mit weiteren Untersuchungen betraut.

Um es kurz zu machen: wohl manch einer der etwa 30 Anwesenden war überhaupt nicht überzeugt von dem, was man zu sehen und zu hören bekam. Unter hohem Flächenverbrauch nämlich werden Wolfsburgs neue Quartiere, monofunktionale Schlafstädte mit minimalem Versorgungsangebot, wie Satelliten in die Landschaft platziert. Sie wollen eine traditionelle Siedlungsstruktur Wolfsburgs fortschreiben, befördern damit aber die weitere Suburbanisierung mit den bekannten, seit langem kritisierten Folgen: Zerstörung zusammenhängender Landschaftsräume, Generierung hoher Verkehrsaufkommen, kaum eigene „Urbanität“ der Quartiere aufgrund fehlender Nutzungsmischung und Dichte. In den präsentierten Schwarzplänen wurden Erinnerungen an die „Zwischenstadt“ wach, jenem beschönigenden Topos, den einst Thomas Sieverts für den Großraum Frankfurt beschwor. Wo also bleibt das ortsspezifisch zu formulierende Bekenntnis Wolfsburgs zur „kompakten Stadt“, das 2007 die „Leipzig Charta“ auf Initiative des deutschen Bundesbauministeriums artikulierte?

Für den BDA Braunschweig mag an diesem Abend deutlich geworden sein, wie unverzichtbar es sein wird, mit seinem Format des Workshops auch zukünftig mutige Impulse in Stadt und Region zu senden. 2019 feiert die kleine Institution „Workshop des BDA Braunschweig“ aber erst einmal ihr 20-jähriges Jubiläum.

Bettina Maria Brosowsky
BDA Braunschweig

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