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Hans-Albert Ahrens verstorben

Am 23.07.2018 verstarb das Ehrenmitglied des BDA, Hans-Albert Ahrens im Alter von 83 Jahren.
Anlässlich seines 80. Geburtstages wurde dieses Gespräch in der Zeitschrift “Der Architekt” 1/2015 und im BDAblog veröffentlicht.

Ein Gespräch mit Hans-Albert Ahrens

Sie haben als Architekt 25 Jahre in der Tiergartengalerie Hannover Skulpturen ausgestellt und haben ein besonderes Talent, sich mit dem Zeichenstift oder Aquarellpinsel auszudrücken. Die Schweiz hat in Ihrem Leben eine wichtige Rolle gespielt, worauf wir später noch zu sprechen kommen. Deshalb möchte ich Ihnen eine Auswahl von Fragen aus dem „Fragebogen“ des Schweizer Schriftstellers und Architekten Max Frisch stellen.

  1. Was treibt Sie an?

Die Stunde „Null“, als meine Heimatstadt Hildesheim am 22. März 1945 den Bomben der Alliierten zum Opfer fiel. Meine Mutter, meine Schwester und ich standen vor den Trümmern des Elternhauses und der Tischlerwerkstatt meines Vaters, der irgendwo – unbekannt – vielleicht noch lebte auf dem Rückzug der deutschen Truppen. Er war fünf Jahre im Krieg. Getrieben habe ich mich nie gefühlt, war aber aufgrund dieser Erfahrungen von dem Wunsch „aufzubauen“ stark geprägt.

Sie haben auf Wunsch Ihres Vaters eine Ausbildung als Tischler gemacht. Vom Vater lernten sie, dass Hände dazu da sind, etwas zu machen: „Lernen durch Handeln“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Der Wunsch, künstlerisch tätig zu werden, führte Sie zum Architekturstudium an der Fachhochschule Hildesheim, das Sie vor allem durch ein Stipendium der Stiftung für Begabtenförderung finanzieren konnten. Nach dem Diplom gingen Sie drei Jahre nach Zürich zu den Architekten Otto Zollinger und Prof. William Dunkel/ETH. Dort lernten Sie auch Ihre Frau kennen, die Sie später nach Hannover begleitete. Besonders beeindruckt hat Sie ein Aufenthalt in den USA 1963, wo Sie Mies van der Rohe in seinem Atelier begegneten.

  1. Wieviel Heimat brauchen Sie?

Heimat ist für mich da, wo ich meine Gedanken frei entfalten und idealerweise in meiner Muttersprache ausdrücken kann.

  1. Sammeln Sie Kunst? Wie kam es dazu?

Das Verständnis, einer Idee eine dreidimensionale Gestalt zu geben, die Ausstrahlung in den Raum und der Umgang mit dem Material haben mich angesprochen. Ja, ich sammele Kunst, Skulpturen und Zeichnungen von Bildhauern. Mit vielen hatte und habe ich noch Kontakt. Persönliche Freundschaften sind über die Jahre entstanden.

  1. Was erhoff(t)en Sie sich von Reisen?

Erkennen, Sehen lernen und mit dem Zeichenstift Wesentliches festzuhalten. Vor allem aber auch das Aufnehmen der Verschiedenheit menschlicher Kulturen und das Mitbringen guter Erfahrungen.

Bereits 1962 sind Sie als junger Architekt mit 27 Jahren in den Bund Deutscher Architekten (BDA) berufen worden.

Für meine Berufung bürgten 1962 Prof. Walter Hämer und Erich F. Brockmann. Anlass war die Fertigstellung des Gästehauses der Hannoverschen Portland Cement AG, das Ergebnis eines Wettbewerbsgewinns, mit dem ich mich 1960 als freischaffender Architekt niederlassen konnte.

Sie haben sich im BDA persönlich sehr engagiert, waren Gründungsmitglied der AG.KOOP – BDA, Verband der deutschen Wohnungswirtschaft und Deutscher Städtetag. 1983-2003 waren Sie beim BDA Bund in Sachen „Finanzen und Haushalt“ aktiv und haben sich nach dem UIA-Kongress Berlin 2002 erfolgreich für die Sanierung des BDA Bundes eingesetzt. Seit 2005 sind Sie Ehrenmitglied des BDA Bund und seit 2006 im Vorstand der BDA Stiftung, die sich für die Unterstützung älterer Mitglieder einsetzt, deren Altersvorsorge nicht auskömmlich ist.

  1. Was hat Sie dazu angetrieben?

Nicht getrieben, aber überzeugt, gemeinsam mit den BDA Kollegen Planungs- und Baukultur in der Öffentlichkeit zu bewegen.

Sie haben viel erlebt, viel gebaut – vor allem in Hannover und Umgebung, beginnend mit dem Wettbewerbsgewinn für das Gästehaus der Hannoverschen Portland Cement AG, das auf einer einzelnen Scheibe aus Beton aufgeständert in der Landschaft schwebt. Es folgten der B-Plan und Realisierung der Werkssiedlung für denselben Bauherrn. Dass man mit dem Material Beton filigran umgehen kann, bewiesen Sie mit einer eleganten Treppenkonstruktion aus Beton und Stahl im Eingangsbereich des Verwaltungsgebäudes für die Germania Zementwerke AG. Viele Projekte folgten, wie z.B. der B-Plan und die Realisierung der Wohnsiedlung Tiergarten Ost mit 140 Wohneinheiten, wo Sie selbst wohnen. Das Spektrum Ihrer Bauten reichte vom Altenzentrum St. Aegidien über Banken, Kraftwerke und Verwaltungen bundesweit. 1960 konnten Sie Ihr Büro aufgrund eines Wettbewerbsgewinns gründen. Das ist heute nicht mehr so leicht.

  1. Was würden Sie jungen Kollegen heute mit auf den Weg geben?

Vertrauen in die eigene Kraft, eine Idee zu verwirklichen – auch als Einzelner. Hier bin ich Optimist und sage, wenn man sich etwas vornimmt, schafft man das. Vor allem muss man sich selbst positionieren.

  1. Wofür sind Sie dankbar?

Für die Freundschaften, die ich in meinem Leben empfangen habe, und besonders für den Erhalt der geistigen Kraft und Lebensfreude.

Vielen Dank.

Das Gespräch führte Susanne Kreykenbohm im Dezember 2014 mit Hans-Albert Ahrens.

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