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Ansichtssache 02 – Konzerthaus von Peter Haimerl

Das One Hit Wonder von Blaibach
Autor und Fotos: Katja Ahad, Architektin BDA Braunschweig

Ein Guide Michelin für Architektur würde über das Konzerthaus in Blaibach schreiben: eine Reise wert. Und eine Reise ist es. Jedenfalls von Braunschweig aus.

Im Wesentlichen folgt man der A14 über Halle und Leipzig. Vorbei an einem Ort, der Lederhose heißt. Und mit etwas Glück auch durch eine hauchfein verzuckert beschneite Landschaft mit sanfter Topografie.

 

 

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Der Ort Blaibach empfängt uns unscheinbar und etwas ausgestorben, das war ja sein Problem gewesen. Unübersehbar im Zentrum des Dorfes direkt gegenüber vom Schlossgasthof trifft man auf das Konzerthaus. Das Gebäude bildet zu allen Seiten Räume und Gassen mit seinen Nachbarn.

 

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Es platziert sich selbstbewusst innerhalb des bestehenden Ensembles aus dörflichen Nutzgebäuden, pragmatisch dort abgeladen wie ein Heuhaufen. Keineswegs wirkt es hier fremd. Die Oberfläche aus großformatigem Granitwaschbeton verwittert arglos in Harmonie mit den Scheunen und Wohnstuben.

 

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Der Bürgermeister Wolfgang Eckl wartet bereits. Nicht auf uns, aber auf eine Busladung junger Steuerberater auf Betriebsausflug. Herr Eckl zeigt und erklärt uns alles. Er weiß Bescheid, dass der Beton mit Glasschotter angereichert wurde, dass die Akustik perfekt ist und er betont: „Man sollte dem Architekten noch mehr Freiheit lassen!“ Wenn dies ein Bürgermeister sagt, dann hat der Architekt alles richtig gemacht. Dann bestätigt sich das one hit wonder von Blaibach.

Und schon schaut Knut Erik Sundquist um die Ecke. Auch er fügt sich ein, in die dörfliche Idylle, wie er da so steht mit Kontrabass vor der Scheune und lächelt. Zu proben gibt es noch vor dem nordischen Weihnachtskonzert, zu dem die drei Freunde aus Norwegen angereist sind, um zu spielen.

 

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Für vieles braucht es ein ganzes Dorf. Auch für die Entstehung dieses Konzerthauses. So hat das North Cape Trio die Aufgabe, zum Jahresende den Förderverein zu ehren, der in der ersten Reihe sitzt und auch rechts und links von der Bühne. Das Programm reicht von virtuos bis volkstümlich, von Bottesini über ein Volkslied-Remix bis zu Stille Nacht. Der Kontrabassist pirscht sich wie eine Katze mit vier Samtpfoten bis zum Ende seines Griffbrettes und darüber hinaus. Und er spielt dort, als wäre das so gedacht. Und weil es so klingt, ist es das wahrscheinlich auch.

Im Foyer wird hausgemachter Schokoladenkuchen verkauft und Kaffee aus Plastikbechern. Die Atmosphäre ist zauberhaft intim und großartig zugleich. Man ist unter sich, aber die Besucher aus bis Passau und maximal Braunschweig gehören irgendwie dazu. Es ist gleichzeitig ganz Dorf und ganz Weltklasse – sowohl die Architektur als auch die Musik, die an diesem Abend ein Amalgam bilden – eine innige Verbindung von Ton und Raum.

 

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